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Justizcafé: Alles, was Recht isst

KURIER-ROMY-Nominierter Peter Resetarits ist einer von vielen juristischen Stammgästen des Lokals.

Quelle: kurier.at | CHRONIK | WIEN – 22.03.2015

Wenn die Juristen in der Warteschlange dem Personal in der Küche zahlenmäßig überlegen sind, kann man sich eigentlich nur in einem Wiener Restaurant befinden: Im Justizcafé am Schmerlingplatz. Hier, im Dachgeschoß des Justizpalastes, serviert Ivo Brnjic wochentags obersten Richtern und Justizwachebeamten das Mittagessen. Auch „Bürgeranwalt“ und ROMY-Nominierter Peter Resetarits ist in dem Restaurant mit Blick auf das Rathaus, das Burgtheater und den Stephansplatz oft Gast.

Diesmal wählt er Würstel mit Kren und Senf – wie schon des Öfteren. Peter Resetarits isst häufig das Gleiche. Das liegt aber nicht am Angebot des Restaurants, sondern an seiner besonderen Einstellung zu Essen. „Ich bin bei Speisen hängen geblieben, die auf Kinderspeisekarten stehen„, sagt Resetarits, während er eine Serviette um die Sacherwürstel wickelt. Ganz so schlimm wie früher ist es aber nicht mehr. Bis zu seinem dritten Lebensjahr aß er lediglich Inzersdorfer-Leberpasteten-Brot und Bensdorp-Schokolade (die blaue mit den Rippen). Mittlerweile hat er das Spektrum immerhin um Pizza Margarita, Fischstäbchen und Cordon Bleu erweitert. Das Fleisch sollte dabei Bio sein. „Nicht, dass ich ein militanter Tierschützer wäre, aber in letzter Zeit haben wir einige Reportagen über Schweinehaltung gemacht. Wenn man sieht, wie Schweine zu Tausenden gehalten werden und kleine Ferkel innerhalb von drei Monaten zu schlachtreifen Säuen hochgepäppelt werden, wird einem ganz anders.

Alles, was Recht isst - Ivo-Brnjic

Küchenchef Brnjic teilt die Einstellung zu biologischen Produkten. Für seine Zutaten fährt er oft zu seinem Bauern ins Burgenland. Zwölf Jahre lang leitete Brnjic das Theatercafé an der linken Wienzeile. Zudem versorgte er Gäste des Ronacher oder Besucher des Hundertwasserhauses mit seinen kulinarischen Kreationen und hatte auch ein eigenes Catering. Jetzt kümmert er sich nur mehr um ein Projekt: Seit acht Jahren tischt Brnjic über den Dächern Wiens auf.

Vor dem Umbau

Gast im Justizpalast war Peter Resetarits schon viele Jahre vor dem Dachausbau und der Errichtung des Lokals. Das erste Mal betrat er das Gebäude kurz nach seinem Studienabschluss – als Rechtspraktikant. Dabei hatte er Jus nur zufällig studiert. Eigentlich hatte er Schauspieler werden wollen. Doch beim Max Reinhardt Seminar wurde er nicht genommen, also besuchte er die Infomesse auf der Uni. Sein erster Plan B: Publizistik. Doch der Stand war zu unübersichtlich. Der Jus-Tisch daneben war besser organisiert. Er inskribierte dort – und landete im Tutorium glücklicherweise an einem Tisch mit „Anzahrern“, mit Personen, die heute Gerichtspräsidenten oder Generaldirektoren sind.

Die Eingangshalle des Wiener Justizpalastes mit der Statue der Justitia

Richtig spannend fand er sein Fach aber erst mit 35 Jahren, als er durch Sendungen wie „Schauplatz Gericht“ oder „Bürgeranwalt“ die Relevanz der trockenen Paragrafen begreifen lernte. Für seine journalistische Arbeit in diesem Bereich könnte Peter Resetarits heuer seine dritte ROMY erhalten.

Im Zuge seiner Sendungen kam er auch zu jenem Bauern, der seine gestohlenen Heiligenfiguren im Internet wiederfand. „Da stellte sich die Frage: Wem gehörten die nun? Dem Bauern oder demjenigen, der sie gutgläubig im Internet erworben hat?“ Die Antwort fiel für den Bauern wenig zufriedenstellend aus: Er musste seine eigenen Statuen zurückkaufen.

Justizcafé

Location
Das Restaurant befindet sich im sechsten Stock des Justizpalastes und bietet einen atemberaubenden Ausblick über Wien.

Untertags
Zwischen 7 und 16:30 Uhr ist es ein Betriebslokal.
Drei Menüs oder A-la-Carte-Speisen. Gäste: Großteils Richter und Anwälte.

In der Nacht
Am Abend ist das Lokal eine Eventlocation – für Hochzeiten oder Jubiläumsfeiern.
Platz ist für 220 stehende und 130 sitzende Gäste.
Raummiete: 3800 Euro/Abend.

Justizpalast

Gerichtsbarkeiten
In dem Gebäude am Schmerlingplatz befindet sich der Oberste Gerichtshof, die Generalprokuratur, das Wiener Oberlandesgericht, die Wiener Oberstaatsanwaltschaft sowie das Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen.

Renovierung
Der Brand 1927 und der Zweite Weltkrieg hatten dem Palast zugesetzt. 1992 wurde das Gebäude renoviert. Die Bauarbeiten dauerten 15 Jahre . Kosten: 56 Millionen Euro. Dabei wurde das Dach ausgebaut und das Restaurant errichtet.

Justizcafé: Alles, was Recht isst